Folge 2: Eine Reise in die Kultur des Seto-Binnenmeers

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Fünf Radfahrer sind von hinten fotografiert. Sie stehen bei strahlendem Sonnenschein auf einem Hügel und schauen aufs blaue, glitzernde Meer hinaus.

Folge 2: Eine Reise in die Kultur des Seto-Binnenmeers

Das Seto-Binnenmeer ist nicht nur für seine beeindruckenden Landschaften bekannt, sondern auch für seine reiche japanische Geschichte und Kultur. Von der Zeit der Samurai über die Edo-Periode bis hin zur Gegenwart hat jede Epoche ihre Spuren in den Städten und Straßen der Region hinterlassen.

In diesem Blogbeitrag nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch Hiroshima, Kure, Hatsukaichi und Matsuyama, um Ihnen die Kultur der Setouchi-Region näherzubringen und ein tieferes Verständnis für ihre Geschichte und Traditionen zu vermitteln.


Hiroshima: Ein emotionaler Blick auf Geschichte und Frieden

Hiroshima ist eine Stadt, die wichtige Wendepunkte der japanischen Geschichte widerspiegelt. Von ihren Anfängen als Burgstadt über die Tragödie des Krieges bis hin zu ihrer Wiedergeburt als Stadt des Friedens: Bei einem Besuch in Hiroshima erleben Sie die bewegte Vergangenheit und die beeindruckende Widerstandskraft der Stadt auf besonders eindrucksvolle Weise.

Die Burg Hiroshima

Die Burg Hiroshima wurde im späten 16. Jahrhundert von Mōri Terumoto erbaut und gilt als klassisches Beispiel für eine sogenannte Flachlandburg. Vom rekonstruierten Hauptturm aus können Sie heute über die moderne Stadt blicken und bekommen gleichzeitig eine Vorstellung davon, wie einst die Samurai-Stadt rund um die Burg aufgebaut war. Damit ist das Schloss ein idealer Ausgangspunkt, um mehr über die Samurai-Kultur und die Zeit der japanischen Bürgerkriege (Sengoku-Zeit) zu erfahren.

Die Burg Hiroshima ragt majestätisch zwischen den grün-roten Blättern eines kleinen Waldes empor.
Die Burg Hiroshima

Atombombenkuppel

Die Atombombenkuppel ist ein erhaltenes Mahnmal der verheerenden Ereignisse vom 6. August 1945. Als UNESCO-Weltkulturerbe steht sie nicht nur für die Zerstörung durch den Krieg, sondern auch für Widerstandskraft und das weltweite Streben nach Frieden. Ein Besuch hier bedeutet mehr, als nur Geschichte kennenzulernen: Man spürt die besondere Schwere und Bedeutung dieses Ortes.

Hiroshima Peace Memorial Museum

Im Hiroshima Peace Memorial Museum sehen Sie persönliche Gegenstände, Zeitzeugenberichte und Ausstellungen über die Folgen des Atombombenabwurfs. Das Museum wird von Besuchern aus aller Welt besucht und bietet die Möglichkeit, die Ereignisse aus einer globalen Perspektive zu betrachten sowie die Bedeutung von Frieden noch besser zu verstehen.

Hiroshima lässt sich bequem an einem Tag zu Fuß oder mit der Straßenbahn erkunden. So können Sie viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten und die historische Bedeutung der Stadt in kurzer Zeit erleben.

Anreise mit dem Zug

  • Tokio Station → Hiroshima Station: ca. 4 Stunden mit dem Nozomi Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug
  • Shin-Osaka Station → Hiroshima Station: ca. 1 Stunde 20 Minuten mit dem Nozomi Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug

Kure: Tobishima Kaido-Fahrradroute & historisches Dorf Mitarai

Radfahren gehört zu den beliebtesten Möglichkeiten, die Setouchi-Region zu entdecken. Ruhige Gewässer, wenig Verkehr und Inseln, die durch elegante Brücken miteinander verbunden sind, schaffen ideale Bedingungen für eine Fahrradtour von Insel zu Insel. So können Sie die Landschaft ganz entspannt genießen und die Region in Ihrem eigenen Tempo erkunden.

Die Kurushima-Kaikyō-Brücke in Kure, Japan. Sie verbindet das Festland mit einer Inselkette.
Die Kurushima-Kaikyō-Brücke

Tobishima Kaido

Die Tobishima Kaido ist eine etwa 30 Kilometer lange Radroute, die Kure auf dem Festland über mehrere Brücken mit einer Inselkette verbindet. Dank der meist sanften Anstiege eignet sich die Strecke sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Radfahrer.

Viele Abschnitte verlaufen direkt entlang der Küste und bieten weite Ausblicke auf die ruhige, von Inseln geprägte Landschaft des Seto-Binnenmeers. Unterwegs laden kleine Fischereihäfen dazu ein, eine Pause einzulegen, zum Beispiel für frische lokale Zitrusfrüchte oder ein Getränk in einem der Cafés. So wird die Fahrradtour ganz nebenbei auch zu einer kleinen kulturellen Entdeckungsreise.

Im Vergleich zur bekannten Shimanami Kaido ist diese Route deutlich weniger überlaufen. Gerade deshalb ist sie besonders bei internationalen Radreisenden beliebt, die eine ruhigere und authentischere Seite des ländlichen Japans erleben möchten.

Zwei Radfahrer fahren entlang einer Straße. Im Hintergrund sieht man eine hellblaue Brücke. Der Himmel ist blau und die Sonne scheint.
Auf dem Rad kann man die Region besonders gut erkunden

Mitarai auf Ōsakishimo-jima

Einer der Höhepunkte entlang der Tobishima Kaido-Route ist das Dorf Mitarai auf der Insel Ōsakishimo-jima. Schon in der Edo-Zeit legten hier viele Schiffe an, um auf günstige Gezeiten und passende Winde zu warten. Händlerhäuser mit weißen Wänden, schmale, gepflasterte Gassen und historische Gebäude am Wasser lassen Sie in eine andere Zeit eintauchen – eine Atmosphäre, die bis heute erstaunlich ursprünglich wirkt. Da der Ort vom Massentourismus weitgehend verschont geblieben ist, eignet er sich perfekt, um die Umgebung in Ruhe zu erkunden.

Hier verbinden sich Fahrradtour und Geschichte auf besondere Weise. Zusammen bieten die Tobishima Kaido-Route und das historische Dörfchen Mitarai ein typisch setouchisches Raderlebnis: abwechslungsreich und gleichzeitig tief in der Tradition der Region verwurzelt.

Eine typische Straße in Hatsukaichi, Japan. Die Sonne scheint, links und rechts sind noch geschlossene Geschäfte.
Schlendern Sie die Straßen von Hatsukaichi entlang

Hatsukaichi: Auf den Spuren von Toyotomi Hideyoshi und der Samurai-Zeit

Die japanische Sengoku-Zeit (15.–16. Jahrhundert) war eine Epoche, in der regionale Kriegsherren um Macht und Einfluss kämpften – in gewisser Weise vergleichbar mit dem feudalen Europa. Aus dieser unruhigen Zeit ging eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten Japans hervor: Toyotomi Hideyoshi.

Vom einfachen Bauern stieg Hideyoshi zum Einiger Japans auf – eine Lebensgeschichte, die fast wie ein historisches Epos wirkt. In Hatsukaichi und auf der nahegelegenen Insel Miyajima können Sie noch heute bedeutende Orte besuchen, die an sein Vermächtnis erinnern.

Toyokuni-Schrein (Senjokaku)

Auf der Insel Miyajima befindet sich der Toyokuni-Schrein, der meist als Senjokaku („Pavillon der tausend Tatami-Matten“) bekannt ist. Hideyoshi ließ dieses imposante Gebäude als große buddhistische Halle errichten, um gefallene Krieger zu ehren. Obwohl der Bau nach seinem Tod unvollendet blieb, ist die gewaltige Holzstruktur bis heute beeindruckend. Die offene Bauweise, das natürliche Licht und die weiten Ausblicke über das Seto-Binnenmeer vermitteln einen nachhaltigen Eindruck von der Größe und dem Ehrgeiz der Samurai-Zeit.

Eine Person hält in einem heiligen Pavilon in Japan inne, während sie in die grüne Natur schaut.
Ein Moment der Reflexion im Toyokuni-Schrein

Riesiger Reislöffel (etto Miyajima Exchange Center)

Miyajima ist berühmt für seine hölzernen Reislöffel, die sogenannten Shamoji. Der übergroße Löffel im Etto Miyajima Exchange Center steht symbolisch für das traditionelle Handwerk der Insel und die Geschicklichkeit der lokalen Handwerker. In der Samurai-Zeit galten Shamoji außerdem als Glücksbringer. Der Grund liegt in einem Wortspiel, das so viel bedeutet wie „den Sieg schöpfen“. Damit verbinden sich auf interessante Weise militärische Tradition und regionale Kultur.

Seishin-tsurii-Brunnen

Der Seishin-tsurii-Brunnen soll im frühen Edo-Zeitalter vom Mönch Seishin gegraben worden sein. Da es auf der Insel damals nur wenig frisches Wasser gab, spielte dieser Brunnen eine wichtige Rolle im Alltag der Bewohner. Heute erinnert er an den Übergang von der unruhigen Samurai-Zeit zu einer stabileren gesellschaftlichen Ordnung.

Denkmal für Mönch Seishin

Das Denkmal für Mönch Seishin würdigt seine Verdienste für die Gemeinschaft. Neben den großen Geschichten der Samurai lenkt es den Blick auch auf jene Menschen, deren stille Beiträge das Leben vor Ort nachhaltig geprägt haben.


Matsuyama: „Wolken über dem Abhang“ und Pilgerkultur

Matsuyama verbindet moderne Literatur mit jahrhundertealten Pilgertraditionen und bietet so einen spannenden Einblick in unterschiedliche Facetten der japanischen Kultur.

Saka no Ue no Kumo-Museum

Das Saka no Ue no Kumo-Museum widmet sich dem gleichnamigen Roman (zu Deutsch „Wolken über dem Abhang“) von Ryōtarō Shiba. Das Gebäude wurde vom berühmten Architekten Tadao Ando entworfen und beeindruckt allein schon durch seine moderne Bauweise. Die Ausstellungen vermitteln anschaulich die Zeit der Meiji-Ära und zeigen, wie Japan sich damals Schritt für Schritt zu einem modernen Staat entwickelte.

Pilgererlebnis am Ishite-ji-Tempel

Der Ishite-ji-Tempel ist der 51. Tempel der Shikoku-Pilgerroute mit 88 Tempeln. Hier haben Sie die Möglichkeit, einen Teil dieser Pilgertradition selbst zu erleben. In manchen Fällen können Besucher sogar die typischen weißen Pilgergewänder tragen und den traditionellen Pilgerstab nutzen. Auf diese Weise bekommen Sie einen authentischen Eindruck von Japans spiritueller Kultur und der tief verwurzelten regionalen Glaubenstradition.

Zwei Personen sind von hinten fotografiert, wie sie am Ishite-ji-Tempel in Japan beten.
Ein Gebet am Ishite-ji-Tempel

Anreise mit Zug und Fähre

  • Tokio Station → Matsuyama Station: ca. 3 Stunden 20 Minuten mit dem Shinkansen bis Okayama, anschließend etwa 2 Stunden 40 Minuten mit dem Limited Express Shiokaze nach Matsuyama.
  • Shin-Osaka Station → Matsuyama Station: ca. 50 Minuten mit dem Shinkansen bis Okayama, danach etwa 2 Stunden 40 Minuten mit dem Limited Express Shiokaze nach Matsuyama.
  • Shin-Osaka Station → Hiroshima Station: Mit dem Shinkansen Nozomi von Shin-Osaka nach Hiroshima (ca. 1 Stunde 20 Minuten). Anschließend steigen Sie auf eine Schnellfähre zum Matsuyama Tourist Port um; die Überfahrt dauert etwa 1 Stunde 20 Minuten.

Schlösser, Hafenstädte, Tempel und Gedenkmuseen: Die Kultur der Setouchi-Region erlebt man am besten nicht nur in Ausstellungen. Sie entfaltet sich vor allem dann, wenn Sie durch die Straßen gehen, die Meeresbrise spüren und den ruhigen Rhythmus des Alltags beobachten.

  • Hiroshima erzählt die Geschichte des Friedens.
  • Kure bewahrt seine maritime Tradition und das Erbe als Hafenstadt.
  • Hatsukaichi lässt Besucher in die dramatische Welt der Samurai-Zeit eintauchen.
  • Matsuyama verbindet Literatur mit jahrhundertealter Pilgerkultur.

Jede dieser Städte steht für eine andere Epoche und Lebensweise – und doch sind sie alle durch das wunderschöne Seto-Binnenmeer miteinander verbunden.


Bei Ihrem nächsten Abenteuer lohnt es sich, nicht nur die Landschaft zu genießen. Entdecken Sie auch die Geschichte und die verborgenen Geschichten, die in der Setouchi-Region leise weiterleben.

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